Neujahresgruß 2026 des Landeskirchenmusikdirektors
1. Januar 2026
Liebe Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker, liebe Schwestern und Brüder,
meine Frau und ich besitzen seit vielen Jahren eine Hibiskuspflanze. Im Sommer steht sie in einem großen Kübel vor unserem Haus. Wenn es kälter wird, bevor die Pflanzen zum Überwintern nach drinnen geholt werden, schneidet meine Frau sie zurück. Nach einem besonders radikalen Rückschnitt bemerkte ich zu meiner Frau: „Jetzt hast du ihn ruiniert.“ Sie hingegen war von ihrer Entscheidung überzeugt. Und tatsächlich, im Frühjahr trieb der Hibiskus wieder aus und blühte in wunderschönem Rot.
Die Natur offenbart uns immer wieder aufs Neue den Zyklus des Werdens und Vergehens. Gerade jetzt, mitten im Winter, sehen wir kahle Bäume und das abgestorbene Laub des vergangenen Jahres auf der Erde. Doch wir wissen: Es dauert nicht mehr lange, dann ist alles wieder grün und wir erfreuen uns an der erwachenden, blühenden Natur. Nicht nur die Natur, sondern auch unser Leben ist von diesen Zyklen geprägt. Dinge gehen zu Ende, Neues entsteht – Saat und Ernte, Trauer und Freude, Tod und Leben. Das ist das Wesen unserer irdischen Welt.
In der Vision des Sehers Johannes finden die irdischen Zyklen des Lebens ihr Ende. Die alte Stadt ist vergangen und ein neues Jerusalem erscheint am Ende der Zeiten. Das Ende ist nicht Vergänglichkeit, denn Gott spricht: „Siehe, ich mache alles neu!“ Gottes wunderbare Zusage gilt nicht nur am Ende der Zeiten. Im achtsamen Wahrnehmen können wir täglich erleben, wie Gott alles neu macht. Alles, was mit Leben erfüllt ist, wird ständig erneuert. Manchmal fällt es uns jedoch schwer, das zu erkennen. Es gibt Situationen, die ausweglos erscheinen, wo Hoffnung nicht sichtbar ist, wo Schmerzvolles mein Leben bestimmt. Als ich beim Anblick des kahlen Hibiskus dachte, er sei verloren, hatte meine Frau das Vertrauen, dass er wieder austreibt. So gibt es immer wieder Menschen an unserer Seite, die mehr sehen als wir selbst. Das Vertrauen in Gottes Zusagen können wir miteinander teilen – ja, und wir können gemeinsam hoffen. Ich bin dankbar für die Glaubensgemeinschaft, in der wir uns in unserer Kirche durch Jesus Christus verbunden wissen dürfen.
Für das vor uns liegende Jahr wünsche ich, dass uns diese Gemeinschaft trägt, dass wir von ihr beschenkt werden und dann mit unserer Musik den Trost der frohen Botschaft, der in der Jahreslosung steckt, weitergeben. So werden wir zu Menschen, die andere an die Verheißung erinnern, dass Gott spricht: „Siehe, ich mache alles neu!“
Herzlich grüßt
Landeskirchenmusikdirektor Burkhard Rüger
